Darauf freut sich Peter Klar noch immer jeden Tag: Er betritt sein Unternehmen. Die Dame am Empfang begrüsst ihn freundlich. Aus der Kantine links zieht frischer Kaffeeduft. Eine Gruppe von Mitarbeitenden diskutiert dort schon eifrig, die Flip-Chart visualisiert deren nächsten Arbeitsschritte. Glücklicherweise muss er solche Meetings nicht mehr alle selbst besuchen. Er kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Die übergeordnete Unternehmensstrategie und die grossen Richtlinienentscheidungen. Basierend auf diesen grundlegenden Vorgaben finden seine Mitarbeitenden selbständig die richtigen Wege. Zugegeben: An diese Art des Führens, bei der gleichzeitig klare Richtlinienkompetenz und Loslassen zur Selbständigkeit wichtig ist, musste er sich zunächst gewöhnen.

Meetings hat Peter Klar allerdings noch immer. Doch auf die meisten freut er sich. Wie auf sein erstes heute. Die Teamleitenden mehrer Arbeitsgruppen stellen deren jeweiligen Ergebinsse vor. Darauf aufbauend soll die neue Produktstrategie koordiniert werden, von der sich Peter Klar so viel verspricht. Er wird nicht enttäuscht. Unglaublich wie motiviert seine Leute gearbeitet haben.

Zum Beispiel stellt ein Teamleiter eine innovative Lösung für einen Arbeitsprozess vor, an dem Peter Klar sich in so mancher Nacht vergebens die Zähne ausbiss. Die Diversität seines Teams hat wohl dafür gesorgt, dass keine Lösung unentdeckt blieb. Peter Klar hatte lediglich etwas externe Unterstützung im Bereich Diversitätsmanagement für das Team zu organisieren. Eine andere Teamleiterin präsentiert eine Marktanalyse, die von einem tiefen Verständnis der Bedürfnisse der potentiellen Neukunden zeugt. Dabei war Peter Klar zunächst skeptisch, wie diese Gruppe die Marktanalyse organisierte. Involvierte sie doch externe Stakeholder, mit denen die Firma bis dahin nicht zusammenarbeitete; aber zugegebenermassen mehr von den neuen Kunden verstanden. Diese Methode des Stakeholder Engagement könnte auch für die Verbesserung etablierter Prozesse und Produkte gewinnbringend sein, dachte Peter Klar.

Das Beste an all dem aber: Die neue Produktstrategie passt zwar zur grundlegenden Unternehmensstrategie, aber ist nicht die Idee von Peter Klar. Vielmehr wurde unter dem Slogan Intrapreneurship seit einiger Zeit Wert darauf gelegt, die Mitarbeitenden als Mitunternehmer zu nutzen, also deren Ideen und Kreativität aufzugreifen. Die Projektleiterin der neuen Produktstrategie betreut nun letztlich ihre eigene ursprüngliche Idee, und implementiert diese. Dazu erhält sie die notwendige Unterstützung von Peter Klar. Wie jetzt in diesem Meeting: Peter Klar fordert die nächsten ehrgeizigen Teilziele ein, vertraut der Projektleiterin und den Arbeitsgruppen aber weiterhin die Ausarbeitung der passenden Lösungen an. Ansonsten sorgt er für die notwendigen Rahmenbedingungen. Dazu gehören mehrere Aspekte der Organisationsentwicklung: Eine moderne und vertrauensvolle Führungskultur, die von allen Teamleitern gelebt wird, motivierende Arbeitsplätze, die zur Verantwortlichkeit einladen, und die kontinuierliche Ausbildung der firmeninternen Talente, so dass diese ihr Potential ausschöpfen und auf höchstem Niveau an der Arbeit teilnehmen können.

Nach diesem Meeting war Peter Klar nun besonders für seinen nächsten Termin motiviert: Ein Interview. Die Redaktorin einer nationalen Arbeitgeberzeitung hatte angefragt, mit Peter Klar über die Themen Corporate Citizenship und Business Ethics zu diskutieren. Es tut Peter Klar zugegebenmassen gut, zu Beginn des Interviews von der Redaktorin zu hören, dass seine Firma bzgl. dieser Themen führend sei. Ihm ist aber gleich wichtig zu betonen, dass sowohl die Firmenprojekte zur Förderung des gesellschaftlichen Wohls (Corporate Citizenship) sowie die Massnahmen zur Förderung von ethischem Handeln (Business Ethics) auch betriebswirtschaftlich Sinn machen. Zum Beispiel bringt das Gemeinwohl-Projekt die Firma in engen Kontakt mit externen Trends. Deshalb kann die Firma direkt in der Praxis über neue Marktbedürfnisse lernen, und so auf diese flexibel reagieren. Dies war bereits für die schnelle Entwicklung der neuen Produktstrategie nützlich. Business Ethics dienen als Fundament, die Firma als ‚wert’volle Marke zu etablieren, der sowohl Mitarbeitende wie die Kunden Vertrauen entgegenbringen. Denn schon ein einmaliges unmoralisches Handeln kann dieses Vertrauen zerstören. Die Redaktorin muss zugeben, dass sie die Themen Corporate Citizenship und Business Ethics nie von dieser betriebswirtschaftlichen Seite betrachtet hatte, und verspricht, dies in ihrem Artikel zu betonen. Sie bedankt sich für das Gespräch.

Peter Klar ist nun wieder allein in seinem Büro. Er ist stolz. Er hat an nur einem Vormittag die Arbeitserfolge der letzten Monate mit eigenen Augen gesehen und gespürt. Seine Mitarbeitenden sind motiviert. Seine Prozesse innovativ. Und sein Unternehmen geniesst hohes Ansehen. Er schaut aus dem Fenster. Er macht sich über die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens keine Sorgen.
© Dr. Ingo Stolz

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